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PORSCHISMUS
est. 2007 

Porschismus klingt protzig, klingt schnell, klingt teuer. Porschismus, das ist erst einmal ein »Ismus«, eine Wortneuschöpfung, die Lehre, Phänomen oder Haltung sein könnte. Seit 2007 arbeitet sich Porschismus an der eigenen Marke ab, fluktuiert in Format und Struktur und verzichtet explizit auf ein Manifest. Porschismus ist eine Pose, die viel verspricht und sich bübisch freut, die darin gelegten Erwartungen zu brechen, zu unterwandern oder auch zu enttäuschen.

»Mit dem Porsche in die Pleite«, der Titel einer Arbeit von anna.k.o. bei Porschismus #1, ist dabei fast selbstironisches Programm. Und selbst für Automobil-Halb wissende ist Porschismus damit, ganz emotional, einschätzbar. Den naheliegenden »Ismus« mit Präfix Ford persiflierend, lässt Porschismus wirtschaftliche Ratio beiseite und startet bissig in die Produktion, deren Schwergewicht in der gemeinsamen Aktion und im neosituationistischen Abstecken und Austeilen liegt: »Haken schlagen vs. Hakenschlag«.

Sind in den ersten beiden Ausstellungen alle noch solo unterwegs, jeder auf seine eigene künstlerische Weise, so leistet der Verzicht auf die individuelle Autorenschaft dem heute bestehenden »Rudel« endgültig Vorschub. Wenn anlässlich der Vienna Biennale 2008 in Porschismus #3 der erste kollektive Prototyp vom Band rollt, hat man sich für einen gemeinsamen künstlerischen Output entschieden:
Ein aus Pappe und Dachlatten gezimmerter Porsche mit Panzerfahrwerk, ein »Bat-Mobil« der mäandernden Bande mit Potential zum Roll-Over. Seit Porschismus#4 platzhirscht es sich auch über den Kunstraum hinaus in alle Öffentlichkeit. Im Freiwilligentreff Berlin lädt Porschismus dabei zur Pfandflaschen-ausgabe. Nach dem internen Pfandflaschensammel-happening – einer im übrigen gängigen prekären Nebenbeschäftigung in den Parks der Hauptstadt, en masse fast lukrativer als die Kunst – sammelte sich wiederum am Abend zur groß angekündigten Vernissage ein illustres Publikum. Vis a vis der Kunstmesse »5. Berliner Kunstsalon« schleppten Kunstschickeria, Passanten und Flaschensammler hunderte portionierter Flaschenpakete zur nächsten Pfandannahmestelle. Wenn hier Prekariat und finanzkräftige Kunstsammler die ersammelten Cents anderweitig investieren, geht das ziemlich an der Marke und ihrem Markt vorbei.

Die Bilanz bleibt trotzdem erfreulich: alle haben etwas mitgenommen und Kultur darf sich nicht rechnen. Wäre die Pfandflaschenausgabe ein selbstironisches Spiel mit dem Soundtrack eines »fuck the pain away«, dann ist Porschismus #5 leichthin besehen versöhnlicher: Dem regionalen Kunstmarkt und seinen Galerien auf der Leipziger Baumwollspinnerei widmet Porschismus einen applaudierenden Baucontainer incl. Schneehaufen, der per Bewegungsmelder an zentraler Stelle Vorbeilaufenden jubelnde Offerten macht. Das vermutete Event findet allerdings ganz eindeutig im Container statt, womit das Objekt den sich gerne selbst zelebrierenden Markt dann doch weniger bejubelt denn sich selbst.

Porschismus ist Hantieren mit und Dekonstruieren von Machtstrukturen, die sich nicht allein auf kunstinterne Verflechtungen reduzieren. Dennoch sind es in erster Linie Institution, Messe, Hochschule oder Galerie, die zerlegt werden. Was Porschismus zum Thema macht, ist damit logische Konsequenz ihres individuellen Kontextes:
die bestehende Besetzung von Räumen, Institutionen und gesell-schaftlichen Behauptungen durch Eliten, die sich in jeweiligen Feldern behaupten und aus sich selbst reproduzieren. Ohne sich dabei auch nur eine Spur ernst zu nehmen, greift Porschismus diese Praxis auf und stellt dreist und unbedarft eigene Behauptungen auf. Die Behauptung Porschismus ist »wahr«. Und damit ist für zukünftige Projekte wirklich noch alles drin.

What’s next? Porschismus – der Swingerclub, wo sich alle einfach mal lieb haben? Bis dahin wurde zu Porschismus #7 die Platte AMERICA OFFLINE produziert, während im Gartenhaus der Kunst in München entgegen der Hausordnung gejammt und gelebt wurde. Die Behauptung: Porschismus = Band. Porschismus kann außerdem auch »Kunstpreis« sein, so geschehen im Sommer 2010. Nachdem der Leipziger EEG – Essential Existence Gallery die Gelder für eine Ausstellung gekürzt wurden, übernimmt Porschismus #6 die Ausstellungsfläche. Das »revolutionäre« Konzept ist, dass es nur bedingt eins gibt. Der Aufruf erfolgt per OPEN CALL. Jeder kann mitmachen. Die Arbeiten werden anonym und kommentarlos präsentiert und weder Seilschaften noch das »more fame – more profit« System mit dem mit 1000 Euro dotierten Kunstpreis prämiert. Es gewinnt, was Porschismus und dem Publikum gefällt! Im Ausblick auf mehr Porschismus darf somit der letzte Absatz dieses Textes getrost fehlen, denn mit Sicherheit ist nichts sicher. Porschismus ist so wenig kongruent wie seine Einzelteile, die sich definitv nicht unter einer künstlerischen Position subsummieren lassen.

Text: Julia Kurz, 2010